Die drei Stellen auf einen Blick
Für Wohngebäude sind vier Stellen QNG-registriert. Eine davon (ZERT-NG/LNB) ist ausschließlich für öffentliche Auftraggeber nach § 98 GWB zugelassen und für private Bauherren nicht nutzbar. Bleiben drei: BiRN GmbH (Bamberg): Das Bau-Institut für Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen ist eine Ausgründung der Hochschule München und zertifiziert mit den Systemen BNK (1–5 Wohneinheiten) und BNG (ab 6 Wohneinheiten). Die QNG-Anforderungen sind in die 19 Bewertungskriterien integriert. Zielgruppe: private Bauherren, Ein- bis Fünffamilienhäuser, Fertighaushersteller. DGNB GmbH (Stuttgart): Die international bekannteste Stelle. Man erhält ein volles DGNB-Zertifikat mit Auszeichnungsstufen (Silber/Gold/Platin) plus QNG als separat geprüfte Zusatzleistung. System „Kleine Wohngebäude 2024" bis 12 Wohneinheiten (Neubau und Sanierung), für größere Projekte das System „Gebäude Neubau". Zielgruppe: Architekten, private Bauherren, Investoren mit ESG- oder EU-Taxonomie-Anspruch. NaWoh e. V. (Berlin): Der Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau zertifiziert den Geschosswohnungsbau mit dem System NaWoh 4.0/QNG — ohne Punkte-Ranking, mit „Stärkenprofilen" statt Noten. Gilt ab 3 Wohneinheiten (laut Zertifizierungsordnung ab 01.01.2026), keine Einfamilienhäuser. Zielgruppe: Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, bezahlbarer Mehrfamilienhaus-Neubau. (Quelle: bau-irn.com, dgnb.de, nawoh.de; Stand: Juli 2026)
Welche Stelle passt zu welchem Haus (EFH / MFH)?
Einfamilienhaus / bis 5 Wohneinheiten (privat): BiRN mit dem BNK-System ist der schlanke Standardweg mit der günstigsten Gebühr. Als Alternative kommt DGNB „Kleine Wohngebäude" in Frage, wenn Sie zusätzlich das bekannte DGNB-Marktlabel möchten. NaWoh ist hier nicht möglich — bei Ein- und Zweifamilienhäusern verweist NaWoh selbst auf das BNK-System. Mehrfamilienhaus ab 3 Wohneinheiten: Hier haben Sie die Wahl. BiRN (BNG) hat keine Obergrenze und ist meist die günstigste Zertifizierungsgebühr. NaWoh ist wohnungswirtschaftsnah zugeschnitten und prüft ohne Punkte-Wettbewerb — jeder Steckbrief muss einfach „erfüllt" sein. DGNB ist das umfangreichste System und bringt Auszeichnungsstufen sowie optionale ESG-/EU-Taxonomie-Nachweise. Zur Einordnung: BiRN ist das einzige speziell für den Kleinwohnhausbau entwickelte QNG-System (BBSR-gefördert). NaWoh ist auf Geschosswohnungsbau spezialisiert und bietet eigene Regeln für Wohnheime und Mikroapartments. DGNB deckt als einzige Stelle alle QNG-Siegelvarianten ab und ist die einzige mit einem Sanierungspfad im Kleinwohnbereich (System „Kleine Wohngebäude" gilt für Neubau und Sanierung bis 12 WE).
Kosten: die Zertifizierungsgebühr im Vergleich
Alle Gebühren sind netto und enthalten NICHT das Auditor-/Koordinator-Honorar — das wird individuell vereinbart und ist meist der größte Kostenblock. Keine Stelle veröffentlicht dafür Preise. BiRN (BNK, 1–5 WE): 595 € (1 WE), 795 € (2 WE), 995 € (3 WE), 1.295 € (4 WE), 1.495 € (5 WE). BNG (ab 6 WE): 1.495 € Sockel + 100 € je weitere WE (bis 20 WE). Das QNG ist ohne Aufpreis und ohne Zusatzprüfung enthalten und funktioniert auch ohne KfW-Kredit. DGNB (Kleine Wohngebäude 2024): Mitglieder zahlen 750 € (bis 2 WE), 1.350 € (3–5 WE), 2.250 € (6–12 WE); Nichtmitglieder etwa 600 € mehr je Stufe. Dazu kommt die QNG-Prüfung als separat berechnete Zusatzleistung (400–750 €). Vor- und Hauptzertifikat sind bei den Kleinen Wohngebäuden inklusive. (Gebührenordnung gültig ab 01.02.2026.) NaWoh: Pre-Check 1.400 € (Pflicht, sofort fällig) plus Siegel bis 12 WE für 5.500 € (Mitglieder von Vereinsmitgliedern) bzw. 6.000 € (Nichtmitglieder), zzgl. 30–35 € je weiterer WE ab der 13. Ein separater QNG-Zuschlag entfällt. (Zertifizierungsordnung gültig ab 01.01.2026.) Einordnung: Für das Einfamilienhaus ist BiRN klar am günstigsten. Für den größeren Geschosswohnungsbau nennt NaWoh sich selbst als günstigstes System (Beispiel 20 WE, Nichtmitglied etwa 7.680 € gesamt). Ein Zahlenvergleich lohnt sich immer erst inklusive Auditor-Honorar.
Verfahren: So läuft die Zertifizierung ab
Der grobe Ablauf ist bei allen gleich: Auditor/Koordinator beauftragen (möglichst vor dem Bauantrag), Projekt anmelden, KfW-Antrag vor Baubeginn stellen, während Planung und Bau Nachweise sammeln, nach Fertigstellung einreichen, Zertifikat und QNG-Siegel erhalten. Im Detail gibt es Unterschiede: BiRN: Zwei Verträge (mit Auditor und mit BiRN). Reine Dokumentenprüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip, kein Software-Portal — die Einreichung erfolgt als eine ZIP-Datei mit vorgegebener Ordnerstruktur (nur PDF/Excel). Zwei Prüfdurchläufe sind inklusive, ein Durchlauf dauert in der Regel 8–10 Wochen; ab dem dritten Durchlauf kostenpflichtig. Der Bauherr darf mit Ausbildung selbst Auditor sein. DGNB: Zwei bis drei Verträge (Zertifizierungs-, Auditor- und ggf. QNG-Lizenzvertrag). Anmeldung und Nachweise laufen über die „DGNB System Software", die Einreichung erfolgt ausschließlich durch anerkannte DGNB-Auditoren. Zwei Prüfdurchläufe für das Zertifikat sind inklusive, ein optionales Vorzertifikat kommt mit einem weiteren Durchlauf. Für die KfW-Förderung ist vor dem KfW-Antrag ein Pre-Check durch einen DGNB-Consultant oder -Auditor Pflicht. NaWoh: Nur ein Vertrag mit NaWoh — den Konformitätsprüfer benennt und beauftragt NaWoh selbst. Beim QNG ist ein Pre-Check in der Planungsphase Pflicht (1.400 €). Es gibt keine Software und kein Portal, eingereicht wird digital. Zwei Prüfrunden sind inklusive, eine unabhängige wissenschaftliche Aufsicht (EBZ Business School Bochum) zieht Stichproben; für Widersprüche gibt es eine Ombudsstelle. (Quelle: bau-irn.com, dgnb.de, nawoh.de; Stand: Juli 2026)
Was jede Stelle zusätzlich prüft
Der QNG-Pflichtkern ist bei allen gleich (Ökobilanz, zertifiziertes Holz, Schadstoffvermeidung, Barrierefreiheit bei mehr als 5 WE). Bei den Zusatzkriterien und der Methodik unterscheiden sich die Systeme deutlich: BiRN (BNK/BNG) prüft mit 19 Kriterien und einem Punktesystem (Bestehensgrenze: alle Kriterien mind. 1 Punkt und Gesamterfüllungsgrad ≥ 50 %). Ergebnis ist ein Erfüllungsgrad mit einer Schulnote 1,0–3,0. Zusätzlich bewertet werden u. a. Einbruchschutz, Trinkwasserhygiene und die Gebäudeakte. Die BlowerDoor-Messung ist im Kriterium 4.3.1 direkt bepunktet. DGNB arbeitet mit gewichteten Erfüllungsgraden und vergibt eigene Auszeichnungen: Silber (ab 50 %), Gold (ab 65 %), Platin (ab 80 %). Wichtig: Silber/Gold/Platin sind DGNB-eigene Stufen und keine QNG-Stufen — das QNG kennt nur PLUS und PREMIUM. Für das QNG ist beim großen System mindestens Silber Voraussetzung. Nur DGNB prüft u. a. Biodiversität, Wertstabilität und (optional) ESG/EU-Taxonomie. NaWoh verzichtet bewusst auf Punkte und Noten: Jeder der Kriteriensteckbriefe muss einzeln „erfüllt" sein, das Ergebnis ist ein „Stärkenprofil". Nur NaWoh prüft wohnungswirtschaftliche Gebrauchsqualitäten im Detail (gemeinsame Wohnbereiche, Stellplätze, Marktwert). Die Luftdichtheitsmessung ist dort ein Schlüsselnachweis und bei Gebäudegruppen je Baukörper einzeln fällig. (Quelle: Kriterienkataloge der Stellen; Stand: Juli 2026)
Was bei allen Stellen gleich ist (und was nicht)
Gleich ist der amtliche QNG-Pflichtkern (Anlage 3), unabhängig von der Stelle: die Ökobilanz (PLUS max. 24 kg CO₂-Äq./m²·a und 96 kWh/m²·a Primärenergie; PREMIUM max. 20 kg und 64 kWh), mindestens 50 % zertifiziertes Holz (PREMIUM 80 %), die Schadstoffvermeidung nach Katalog 313 und die Barrierefreiheit im „ready"-Standard bei Neubau mit mehr als 5 Wohneinheiten. Reißt eines dieser Kriterien, gibt es bei keiner Stelle ein Siegel. Ebenfalls überall verlangt: Innenraumluft-Messungen, Lebenszykluskosten, Schall- und Komfortnachweise. Unterschiedlich sind die Zertifizierungsgebühr, das Verfahren (Portal ja/nein, Zahl der Verträge, wer den Prüfer stellt), die Bewertungsmethodik (Punkte vs. Medaillen vs. Stärkenprofil) und die Zusatzkriterien. Auch die Zielgruppen sind verschieden. Wichtig für die Förderung: Für die KfW-Förderung „Klimafreundliches Wohngebäude – mit QNG" (Programm 297/298) reicht mindestens QNG-PLUS zusätzlich zum Effizienzhaus-40-Standard. Ob PLUS oder PREMIUM erreicht wird, ändert die Förderhöhe nach heutigem Stand nicht. Alle drei Systeme sind für das QNG registriert und damit als KfW-Nachweis geeignet. (Quelle: qng.info, kfw.de; Stand: Juli 2026)
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